Tja, und da standen wir nun. Ich traute ihm nicht richtig über den Weg,
weil er mein Eis zerbrechen lassen konnte, Alice traute ihm anscheinend nicht,
weil ihr Häschen – Entschuldigung, der Spion – im Auftrag ihrer Majestät ihm nicht traute …
und Chloe war todesbedingt sprachlos.

Aus „Alice – Follow The White“ von Stephanie Kempin

 

 

Das Buch „Alice – Follow The White“ von Stephanie Kempin ist erstmals im März 2017 im Papierverzierer Verlag erschienen. Derzeit handelt es sich um einen abgeschlossenen Einzelband. Das Buch ist als Print und eBook erhältlich.

 

Wundervoll skurriles Setting mit viel Humor und einem ernsten Thema, versteckt hinter einer gelungenen Adaption.

 

Alles beginnt mit Bettys Beerdigung, wegen der der Unterricht an Miss Yorks Schule ausfallen muss: Auf einmal stört Zoey die Zeremonie, schießt mehrfach auf den Sarg und verschwindet, als wäre nichts gewesen. Doch wenig später steht Betty aus ihrem Sarg auf und macht sich auf die Suche nach ihrer postmortalen Mörderin. Sie findet Zoey und macht mit ihr kurzen Prozess. Ihre besten Freundinnen Alice und Chloe finden Betty, während sie sich noch über die Leiche beugt. Eigentlich müssten sie Betty verpfeifen, doch schnell beschließen die drei Freundinnen, gemeinsam Hals über Kopf zu flüchten.
Fragen über Fragen bleiben jedoch zurück, wie zum Beispiel, warum Zoey nicht mit echter Munition geschossen hat, die auch Untote zur Strecke bringen kann. Warum ist Betty noch relativ normal, zumindest für eine Untote? Was hat es mit Alice’ Spiegelsicht auf sich? Und wohin will sie das verdammt mürrische, weiße Kaninchen mit der Armbrust und dem Welten-Chronografen führen?
Eine rasante Achterbahnfahrt hinein in den Kaninchenbau und durch die Welt zwischen den Märchen, der realen Fiktion, jeder Menge Popkultur und der raffinierten Idee, dass es auch so hätte erzählt werden können, wenn die Erzähler vor ein paar hundert Jahren ein bisschen mehr schwarzen Humor gehabt hätten.

 

Wie so oft bei Büchern aus dem Papierverzierer Verlag, habe ich mich von den ersten Zeilen an wohlgefühlt bei diesem Buch. Diese ist zwar sehr prägnant und ansprechend – aber das Buch als Ganzes kann noch viel mehr, als auf den ersten Blick zu vermuten ist.

Wer kennt nicht Alice im Wunderland – egal ob in der Verfilmung mit Johnny Depp, oder als wundervollen Zeichentrick-Disney-Klassiker. Vielleicht habt ihr sogar das Original von Lewis Carrol gelesen? Hier kommt jedenfalls etwas ganz anderes – gekonnt angelehnt an den Literaturklassiker, stellt Stephanie Kempin hier ihr ganz eigenes Szenario vor.

Das weiße Kaninchen, welches sich ständig in Zeitnot befindet, das Motto „Ab mit dem Kopf“ und eben auch die verrückten, abstrusen und seltsamen Kreaturen – sie alle sind hier zu finden. Alt bekannt und doch wie neu. Diese Adaption ist wirklich gelungen, unterhaltsam und tiefgründig. Mit der Neuerung von Untoten eine sehr charmante, witzige und spannende Mischung!

Mir gefällt auch besonders gut, was zwischen den Zeilen steht. Denn dieses Buch ist durchaus gesellschaftskritisch und birgt die Behandlung von Themen, wie sie aktueller nicht sein könnten. Doch gekonnt unter dem Deckmantel der Fantasie versteckt. Wer sie sehen will, wird sie finden. Allen anderen ist ein absolut unterhaltsames und unkritisches Lesevergnügen vergönnt. Das zeugt, wie ich finde, von großem Talent und einem kritischen Blick auf die Außenwelt.

Ich liebe die Charaktere – jeden einzelnen. Die Autorin beweist hier ein Händchen für ein gelungenes Charaktergefüge: Es treffen sich eigentümliche Typen und wundervoll absonderliche Mädchen. Die Story lebt durch sie und macht einfach nur Spaß. Ich liebe Betty – aber Chloe hat es mir besonders angetan. Sie ist herrlich versnobt und doch ein Mädel der Tat. Und dann natürlich Ethan – ein Kaninchen wie es nerviger und liebenswürdiger nicht sein könnte. Es ist einfach herrlich.

Obwohl in sich abgeschlossen, verlangt es mich nach einem weiteren Band. Es gibt da für mich noch ein paar ungeklärte Fragen – vor allem, was unsere liebe Alice anbelangt …

 

Papierverzierer Unterhaltung, wie man sie kennt und sich wünscht. Wundervoll skurril, eigen und bezaubernd, lehnt diese Adaption an den Literaturklassiker an. Stephanie Kempin nimmt Bekanntes, würzt es und serviert anschließend diese neue und gelungene Story, die deutlich Lust auf mehr macht!

 

©Teja Ciolczyk, 16.04.2018


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