Raus aus dem Dunkel hinter den Männern – ran ans Schwert! Denn diese Damen jeden Alters können sich sehr gut selbst verteidigen.

Von Humor über Magie bis hin zu traurigen Schicksalen.

 

Die Anthologie „Heimchen am Schwert – Femtasy mit starken Frauen“ ist 2016 im Verlag Ohneohren erschienen. Herausgegeben wurde sie von Ingrid Pointecker. Die vertretenen Autoren findet ihr bei den Zitaten. Sie beinhaltet 20 Kurzgeschichten und ist derzeit nur als eBook erhältlich.

 

Wundervoll umgesetzte Femtasy erinnert an die Stärken der Frau. Unaufdringlich und wertvoll!

Nicht nur eine Frau tritt aus den Schatten: junge Mädchen, erwachsene Frauen und ältere Damen – sie alle leben grundverschiedene Leben, bestreiten Abenteuer, erheben Schwerter, Äxte und ihre lauten Stimmen. Vorbei sind die Zeiten, in denen fantastische Frauen nur als schmückendes Beiwerk zu männlichem Heldenmut dienten.

Heldinnen in zwanzig unterschiedlichen Geschichten wandeln auf gefährlichen Pfaden, beweisen Mut und bringen Welten zum Erzittern. Manche von ihnen laden zum Schmunzeln ein, andere sind ernst, einige spielen mit Klischees und doch haben sie eine Sache gemeinsam: Sie sind stark!

 

Ich war damals auf dem BuCon bei der Lesung zu dieser Anthologie. Und von einer leichten Gänsehaut bis hin zu Schluckauf vom Lachen habe ich dort alles erleben dürfen. Natürlich ist diese Anthologie mit mir nach Hause gereist. 😉

Was in der Lesung nur angeklungen war, hat sich in der Tat als eine sehr gelungene Mischung erwiesen und mir phänomenalen Spaß beim Lesen bereitet. Dieses Buch hatte ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen.

Es gab die ausgewogene Mischung von schwarzem Humor, über eindrucksvolle Heldentaten bis hin zu traurigen Schicksalen. Und das alles mit weiblichen Heldinnen. Egal ob Heldinnen des Alltags, Märtyrer oder Racheengel – sie alle haben auf eine absolut unaufdringliche Weise gezeigt, zu welchen Dingen eine Frau fähig ist. Und selbst wenn man Magie und den ganzen fantastischen Aspekt streicht, bleiben die Taten erhalten und schicken die wertvolle Botschaft, dass die Chromosomen wenig Rolle spielen, wenn es um wahre Stärke geht.

Ich liebe ja bei Anthologien die Abwechslung in der Settingwahl, die unterschiedlichen Charaktere und die verschiedenen Schreibstile. Auch diese Kurzgeschichtensammlung zeigt, was sie kann. Es war für jeden Geschmack etwas dabei. Der eine schreibt eher etwas abgehakt, dafür ist die andere Geschichte pfiffig und es folgt eine mit spritzigen Zeilen. Ich feiere diese lebendige Art der Bücher. Und dieses hier hat seinen Teil dazu beigetragen.

 

ÜBERSICHT DER EINZELNEN GESCHICHTEN
MIT ZITATEN UND KURZEN GEDANKEN

Hier gibt es kleine Zitate aus jeder Geschichte, die ich selbst aus den einzelnen Texten ausgewählt habe.

Die geraubten Lilien – Karin Pelka
»Sieh an«, sagte ein alter Mann. Auf seinem Kopf funkelte eine güldene Krone. »Ein Mädchen, das meine Wachen zum Narren hält. Das sieht man selten heutzutage.«

»Ihr hättet es schon früher sehen sollen«, keuchte Lilli.


Die Fadenschmiede – Thomas Heidemann
Auch wenn es schmerzte: Die Regeln mussten befolgt werden. Ob bei der Arbeit an den Kostümen, wenn die Magie fremder Welten durch ihre Hände strömte, oder im Kampf gegen die Geschöpfe ebenjener Welten, die bisweilen von ihren Meisterstücken angelockt wurden.


Honigmond – Melanie Vogltanz
»Dein Zukünftiger, Kleines. Ist er stattlich? Hat er starke, geschickte Hände? Sprießt ihm bereits Haar auf der Brust und zwischen den Beinen?« Thilda lachte gackernd.


Tara – Regine D. Ritter
»Habt Ihr denn keine Angst?«, fragte er erstaunt.

»Selbstverständlich habe ich Angst.« Die Jungfrau zuckte mit den Schultern, wodurch der Blütenkranz noch weiter in Schieflage geriet. Ungeduldig riss sie ihn herunter. »Ich bin als Opfer in einer Drachenhöhle, wie blöd wäre ich, wenn ich keine Angst hätte? Und deshalb wüsste ich jetzt gerne, wie das hier weitergeht.«


Sifas Lied – Philip Will
Er lachte ein erdrosseltes Lachen. »Wie oft ich diesen Ausdruck schon gesehen habe. Du musstest immer entscheiden, welche Spiele wir spielen, wohin wir gehen.« Er schenkte ihr ein Lächeln. »Sag, kleine Schwester, was singen sie einst von uns?«


Rache der Vergangenheit – Jacqueline Mayerhofer
»Kehr um, Krain. Ich such den Hexer alleine.«

»Aber …« Er sah wehmütig zu ihr und Minah wandte sich mit versteinertem Gesichtsausdruck ab.

»Es ist besser, wenn du mich nicht begleitest. Glaub mir.«


Mauerschatten – Laura Dümpelfeld
Sie würde Finn und Lelia nicht hier draußen vor den Grenzen Cormorans erfrieren lassen. Sie waren nicht den Horden der Shirdai entkommen, um nun im Schatten der Großen Mauer jämmerlich zu krepieren.
Es musste einen Weg geben.
Und sie würde ihn finden.


Halm – Andreas Acker
Sie würde Fjort rächen, denn sonst würde es niemand tun. Denn diese Lektion hatte sie in knapp dreizehn Jahren gelernt: Wenn du willst, dass etwas erledigt wird, verlasse dich nicht auf andere. Bringe es selbst zu Ende. Und das war genau das, was sie vorhatte. Es zu Ende bringen.


Im Kreis der Sieben – Erik Huyoff
»Glaubst du denn, dass du mit deinen kleinen Aktionen das Reich wirklich verändern, verbessern kannst?«

Wie sollte sie das können? Sie war allein auf sich gestellt. Eine gegen viele. Müde schüttelte Sayiva den Kopf. »Aber ich kann ein Zeichen setzen.«


Eldans Lüge – Johannes G.
Es dauerte einen Moment, bis dies in die Köpfe der Menschen in der Arena sickerte. Denn wer bei Verstand war, hatte nicht damit gerechnet, dass der König kampflos seine Tochter an dieses mit Staub und Blut bedeckte Barbarenweib geben würde. Auch Eldan war die Überraschung anzusehen. Sie wurde vom aufbrausenden Jubel der Massen, die ihren Sieger belohnt sehen wollten, in die Wirklichkeit zurückgeholt.


Diese eine Liebe – Marius Kuhle
Fordere mich nicht heraus, Weib! Ich habe neun Amazonenkriegerinnen mit nur einem Dolch besiegt.

Waren es vor Kurzem nicht nur sechs gewesen?

Schreiend schlug Cull zu.

Sonja wich dem Schwerthieb aus, konterte und ging zum Angriff über.


Kyrr – Robert von Cube
Und brav gehorchte Arrykh und rannte in die Höhle mit dem Feuersee. Und brav taten die Menschen, was Kyrr sich erhofft hatte, und liefen hinterher, um das Kind zu töten.


Schweine – Daniel Kossack
»Sie vertreiben sich nur etwas die Zeit, während wir auf den Braten warten! Je schneller der fertig ist, desto eher hören sie damit auf. Also beeilt euch lieber, gute Frau!«, sagte Leonhard. Er deutete neben den Tisch und verzog den Mund. »Versucht nicht sie aufzuhalten, das wäre sehr töricht. Der Kleine wollte auch aus irgendeinem Grund nicht, dass die Männer Spaß haben, da haben sie ein bisschen auf den Kopf gehauen.«


Die Fürstin – Anja Buchmann
Mach dir um mich keine Sorgen mein Kind. Die Art, wie sich der Körper ihrer Tochter versteifte, verriet den Zweifel. Kjartan wird auf mich achtgeben, fügte Jördis hinzu, während sie sich insgeheim schwor, ihren Getreuen schon bald aus dieser drückenden Verpflichtung zu erlösen,


Andacht und Attacke – Tanja Rast
Kollektives Aufkeuchen, als Envin so selbstverständlich einen Fluch verwandte. Sie hätte sich selbst auf die Zunge beißen können, dass ihr das entschlüpft war.

»Das ist in Ordnung. Schwester Envin darf fluchen. Und sie wird es bestimmt noch einige Male mehr tun. Gewöhnt euch daran.«


Nur eine Kräuterfrau – Isabel Schwaak
Auf absurde Weise erschien es ihr so, als würde sie in einen Spiegel sehen – doch was ihr aus seinem hellen Gesicht entgegenblickte, war ihr fremd. Zahm und entzaubert, wie zurechtgestutztes Holz, aller Wildheit beraubt.


Das Rudel der Herrin – Fabian Dombrowski
Die Wolfsfelle um ihre Schultern hatten sie zu Kapuzen über die Helme gezogen, sodass die Tiere ihnen voranblickten wie Galionsfiguren. Nur Mathilde rannte barhäuptig. »Der Kaiser soll sehen, wer seine Todesbotin ist«, hatte sie gemeint. Und wahrlich, ihr stolzes Haupt mit den kurz geschorenen Haaren würde Heinrich wohl kaum verwechseln.


Die gegen die Schatten kämpft – Markus Cremer
»Hilf mir!«, befahl sie Ludok, der sie misstrauisch beobachtete. Widerwillig gehorchte der stolze Anführer der Jäger. Der sehnige Mann hielt den Sterbenden fest. Sie wusste, dass Ludok sie wegen ihres Einflusses auf den Stamm verachtete, doch als Schamanin überbrachte sie den Willen der Geister und sicherte das Jagdglück.


Die adrette Hüterin der Familie – Corinna Schattauer
»Ich habe die Tochter unserer ermordeten Königin nicht aus dem Schlachtengetümmel gerettet und durch sieben Welten getragen, nur um sie jetzt an einen dahergelaufenen Kopfgeldjäger zu verhökern!«, erwiderte Dörte kalt.


Die Köpfe der Hydra – Julia Fränkle
Ich lauschte in mich hinein und fand keine Furcht. Keine Angst vor dem Ungeheuer. Nicht einmal Wut auf die Bestie, die so viel Grauen über unser Dorf gebracht hatte. Stattdessen regte sich Bewunderung in mir für dieses imposante Wesen aus Zeiten, in denen Legenden noch Wirklichkeit gewesen waren.

 

Wundervoll abwechslungsreiche, unaufdringliche und dennoch ausdrucksstarke Femtasy! Eine sehr gelungene Anthologie über starke Heldinnen jeden Alters. Mit vielen Möglichkeiten zum Lachen, Nachdenken und Mittrauern.

 

©Teja Ciolczyk, 14.10.2020


 

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