Feuersturm – Interview mit Autor Thomas Heidemann

*werbung*

Witzig, skurril, abgefahren und vollkommen
durchgedreht – auf die geniale Art und Weise!
So würde ich das Geschehen rund um Saszqua und Bad Axe bezeichnen.
Zumindest, wenn es um die Geschichten rund um die Feuersturm geht. 😉

Banner Thomas Heidemann

Und wer eine solch famose Fantasie sein Eigen nennen kann, bei dem lohnt es sich, ihn auszuquetschen. Begrüßt also herzlich mit mir den Autor Thomas Heidemann!

Hier denke man sich Applaus, denn so ein schriftliches Interview ist ja eher stiller Natur …


 

Bild Thomas Heidemann

Hallo Thomas! Schön, Dich in Bedrängnis bringen zu dürfen. 😉 Erzähle uns doch ein bisschen über Dich. Wie kam der Schreiber zum Stift?

Der Stift war irgendwie schon immer in meiner Hand, brachte sie dazu, sich wie von Geisterhand zu bewegen. Und sei es nur, um die Ränder meiner Schulhefte vollzukritzeln. An schriftliche Ergüsse aus meinen frühen Jahren möchte ich aber lieber nicht erinnert werden … *lach*
An meiner eher chaotischen Kreativität habe ich lange feilen müssen, bis ich sie in produktive Bahnen lenken konnte. Das Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ war eine große Hilfe dabei. Durch das Spielen selbst verfasster Kampagnen lernte ich, welche Handlungs- und Spannungselemente  funktionieren, welche Art von Humor zumutbar ist, wie Charaktere beschaffen sein müssen, damit man sich an sie erinnert. Zwischendurch versuchte ich mich immer wieder an überambitionierten Fantasywerken, die nach spätestens hundert Seiten an Plan- und Lustlosigkeit scheiterten. Außerdem bezweifelte ich, dass ich es jemals wagen würde, einen Verlag anzuschreiben.

Irgendwann fand ich mich im Internet wieder und stellte fest, dass dort Autoren unterwegs waren. Ich stöberte auf einem Forum namens „Schreibwerkstatt“, wo Neulinge Hilfe von alten Hasen bekamen, und meldete mich schließlich dort an. Dort erfuhr ich auch, dass es ständig Ausschreibungen für Kurzgeschichten gab. Nach einem Jahr traute ich mich, eine Geschichte einzureichen. Sie war … ähm … überambitioniert. *lach* Und wurde nicht angenommen.

Die nächste belegte den 10. Platz bei der Storyolympiade. Ich war angefixt und der Stift seitdem untrennbar mit meiner Hand verbunden.

 

Wenden wir uns mal dieser seltsamen Konstellation aus Weltraum und zwischenmenschli- … Mhm … zwischenwesenheitlicher Interaktion zu. Wie kommt man dazu, einen Amerikaner, der auch als Ruhrpott-Rocker durchgehen könnte, ins All zu schicken?

Die Hauptschuld trägt Douglas Adams. Adams war – neben Terry Pratchett – immer mein Leitstern, und der einzige Autor, dessen Romane ich mindestens dreimal gelesen habe.

In „Per Anhalter durch die Galaxis“ legt Arthur Dent den Bordcomputer lahm, indem er ihm erklärt, wie man Tee macht. Und Arthur Dent ist bloß ein phlegmatischer britischer Langweiler. Was wäre alles möglich, wenn an seiner Stelle ein Typ wie Homer Simpson oder Rufus aus der Deponia-Spielreihe stünde?

Als ich die Crew der FE ERSTUR für die FUNTASTIK-Ausschreibung des Leseratten Verlags erschuf, hatte ich Bad Axe McGregga von Anfang an ziemlich plastisch vor Augen. Er sollte das Gegenteil von Arthur Dent sein – von furchteinflößendem Aussehen, füllig, zottelig, impulsiv, lebensfroh, verantwortungslos, chaotisch … Selbst inmitten einer Truppe Sonderlinge sollte er herausstechen. Auch wenn er Amerikaner ist, kann man ihn sich gut als  Ruhrpott-Rocker vorstellen.

 

Saszqua ist in ihrer Art ja sehr … nennen wir es mal diplomatisch eigen. (Sag ihr bloß nicht, dass ich das geschrieben habe. Loki bewahre, dass sie je davon erfährt. Ich mag meinen Kopf auf meinen Schultern – festgewachsen!) Jedenfalls verrate uns doch: Gab es eine Muse, die Dich dazu berufen hat, ein solches Prachtweib zu ersinnen?

Schwer zu sagen. Saszqua vereinigt starke Frauenbilder der Popkultur in sich, von Red Sonja bis Sarah Connor (aus Terminator). Sie ist aber – wie McGregga auch – in all ihren äußerlichen wie charakterlichen Eigenschaften cartoonhaft überzeichnet. Stell dir vor, Ripley wäre mit dem Körper von Jessica Rabbit gestraft und müsste das Universum vor fiesen Aliens retten, während alle sie auf ihr Äußeres reduzieren. Es ist kein Wunder, dass sie immer sauer ist.

Für mich war es immer eine Gratwanderung, Saszqua zu beschreiben (und die Reaktionen, die sie bei Männern auslöst). Wo endet der Humor, wo beginnt Sexismus? Wie kann ich jemandem mit einem solchen Hang zur Gewalt Würde und Menschlichkeit verleihen? Da ich nach vier FEUERSTURM-Kurzgeschichten noch keinen Shitstorm abbekommen habe, hoffe ich, dass mir das gelungen ist.

 

Mal eine eher unverfängliche Frage, hoffe ich. Man weiß ja nie. ^^

Was fasziniert Dich am Weltraum derart, dass Du dort Schiffe explodieren, Wesenheiten implodieren und Saszqua ausrasten lässt? Ich muss ja nicht erwähnen, das Letzteres mit Sicherheit mit allem anderen zusammenhängt, oder? Wobei auch Bad Axe … Egal. Also, lieber Thomas?

Als Kind bin ich öfter mal in einen Schlafsack gesteckt und zum Übernachten unter freiem Himmel ausgesetzt worden. Ich habe Sternschnuppen gezählt und Sternbilder gesucht. Das prägt. *grins*

Dann kamen Star Wars und Perry Rhodan. Ich habe bestimmt zehn Jahre lang nichts anderes als Science Fiction gelesen. Das hat meinen Blick auf die Sterne geändert. Wir sind nicht alleine – aber so schrecklich weit von unseren nächsten intelligenten Nachbarn entfernt, dass wir uns wahrscheinlich nie begegnen werden.

 

Butter bei die Fische: Wie viel Bad Axe steckt in Dir? Und wir wollen hier die volle Wahrheit!

Ich begeistere mich für Technik. Ich kann ohne Musik nicht leben. Ich bin eine Naschkatze. Ich stehe bedingungslos zu meiner Frau, selbst wenn sie Fifty Shades of Grey liest.

Und ja, irgendwie bin ich auch ein Chaot. Schau dir meinen Schreibtisch an, dann weißt du, was ich meine.

 

Man munkelt, dass ein gewisser Verleger gewisse … Überzeugungsarbeit leisten musste, damit Du ihm endlich einen ganzen Roman schreibst. Warum hast Du dich so geziert?

Mir war schon klar, was für einen Haufen Arbeit ein Buch macht, und dass ich diese Arbeit von meiner Erholungs- und Familienzeit abzwacken muss. Und mein innerer Schweinehund ist immer schnell mit guten Gründen zur Stelle, warum ich heute lieber nicht schreiben sollte.

Was Marc vor allem getan hat, war, mir den nötigen Schub zu geben. Ich arbeite unter Druck deutlich kreativer.

 

Sei ehrlich, wie verrückt ist Marc, der Verleger des Leseratten Verlages, wirklich? Ich habe es flüstern hören, dass er schon Mal die eine oder andere interessante Idee haben kann, gerade was Anthologien betrifft. Ich denke da nur an Titel wie „Schnittergarn“ … Du als Insider, was ist da dran? Und keine Sorge, wir haben ein Zeugenschutzprogramm organisiert. 😉

Manchmal reicht schon ein Versprecher, um Marc auf die Idee zu einer Anthologie zu bringen. Ich sage nur „Suppenhelden“ … *grins*

„Schnittergarn“ war dagegen ein naheliegendes Thema. Alles lieben Terry Pratchett – Marc war der Schnellste. Er hat halt einen guten Riecher.

Bei „Vikings of the Galaxy“ war es meine Mitherausgeberin Cara D. Strange, die bei „Schilde hoch!“ gleichzeitig an Energieschirme und Wikingerschilde dachte. Die Idee zu Weltraum-Wikingern war so bekloppt, dass Marc nicht widerstehen konnte.

 

Zurück zum Buch. Wie lange dauerte es, diesen Chaotischen Haufen in einem ordentlichen Roman unterzubringen?

Zwei Jahre schreiben und überarbeiten. Wobei ich in den Wintern, wenn es für Gärtner nicht so viel zu tun gibt, den Löwenanteil der Arbeit geleistet habe.

 

Welcher Deiner Protagonisten hat Dich dabei am meisten geärgert? Gab es Morddrohungen?

Das war Bad Axe himself. Sein Verhalten folgt bestimmten Gesetzen, die ich im Auge behalten musste. Zum Beispiel das der mehrstufigen Eskalation: Wenn Axe versucht, etwas wiedergutzumachen, wird es unweigerlich schlimmer. Und wenn etwas schief gehen kann, dann auf die denkbar desaströseste Weise. Das erfordert eine schräge Denkweise, zu der ich mich regelmäßig zwingen musste. Ich weiß nicht, wie oft ich solche Szenen überarbeiten musste, weil sie im ersten Ansatz nicht radikal genug waren, nicht Bad Axe genug. Ich kann gut verstehen, warum Saszqua ihm regelmäßig den Hals umdrehen will.

 

Gemeine Fragen zu Deiner Selbsteinschätzung – ich weiß, ich bin mies. ^^

Auf einer Skala von 1 bis 10 – wie schlimm wird die Attacke auf die Lachmuskeln in diesem Buch?

Mhm. Wenn „Per Anhalter durch die Galaxis“ eine 10 verdient, hoffe ich bescheiden auf eine 9. Man muss diese Art Humor aber mögen.

 

Wie sehr hat die Welt dieses Buch gebraucht?

Ich verweise wieder auf den Altmeister Adams. Seit seinem zu frühen Tod warte ich darauf, dass mir jemand ein Buch empfiehlt mit den Worten: „Wenn du den Anhalter liebst, ist das was für dich.“

Das ist nie passiert. Also, wem es so geht wie mir, der braucht den FEUERSTURM. Wer verrückte Geschichten liebt und gerne lacht, der braucht den FEUERSTURM.

Alle anderen brauchen ihn auch, sie werden es sich nur nicht eingestehen. *lach*

 

Wie viel schreiberisches Talent benötigt eine solche Geschichte?

Keine Ahnung. Talent heißt für mich, dass einem die Sätze nur so aus den Fingern fließen und sich der Plot im Schlaf entwickelt. Ich habe so viel an diesem Buch herumgedoktert, so viel verworfen und nachgebessert, so viel wertvolle Hilfe und Impulse von Tanja, Marc und meinem Betaleser Robert bekommen, dass ich lügen würde, wenn ich mir selbst Talent zuschreibe.

Wenn die Idee stimmt, kann ein gutes Buch draus werden. Der Rest ist Handwerk, und das kann man lernen. So unromantisch es klingt: Talent ist nicht notwendig.

 

Ist es Dein bisher bestes Werk?

Ja.

 

Für uns als Leser besonders wichtig: Wieso sollten wir Dein Buch unbedingt gelesen haben?

Ich habe im Roman keine weltverbessernden Weisheiten versteckt. Ich will meine Leser einfach zum Lachen bringen und sie nach der letzten Seite mit einem warmen Gefühl im Bauch zurücklassen. Die Welt ist schlimm genug. Mit FEUERSTURM wird sie erträglicher. 😉

 

Ok, hören wir auf, Dich zu quälen – oder mildern wir es wenigstens ein wenig ab. 😉

Gab es einen Testleser, ein Familienmitglied, der Dir einzelne Szenen oder gar das ganze Buch um die Ohren gehauen hat? Und wie hast Du den Mord an ihm vertuscht? Scherz am Rande – hoffe ich …

Ich bin allen, die mir mit dem Buch geholfen haben, unendlich dankbar. Am strengsten war Tanja mit mir – manchmal musste ich eine Nacht drüber schlafen, um zu erkennen, dass sie Recht hatte.

 

Von wem hast Du den meisten Zuspruch erhalten?

Meiner Frau, Bine. Sie hatte sicherlich am meisten unter der Ausnahmesituation zu leiden und mir nie ein schlechtes Gewissen gemacht. Ich konnte mich immer auf ihre seelische Unterstützung verlassen.

 

Möchtest Du die Leser noch warnen … ähm … ihnen etwas mit auf den Weg geben, was Dein Buch betrifft? Oder auch gern allgemein?

Meine Darstellung (teils erfundener) psychischer Erkrankungen ist für manche Leser eventuell gewöhnungsbedürftig. Mir war wichtig, an keiner Stelle den Humor durch das seelische Leid der Protagonisten zu dämpfen, sondern, ganz im Gegenteil, die komischen Effekte auszureizen, die sich beispielsweise ergeben, wenn ein unsensibler Charakter wie McGregga auf seine Mitpatienten losgelassen wird.

Was ich keinesfalls will und auch nicht könnte, ist, mich über psychische Erkrankungen lustig zu machen. So sehr McGregga bin ich dann doch nicht.

 

So! Last but not least:

Meine 5 Speedies – kurz gefragt, kurz geantwortet.

 

Schwarzes Loch oder Wurmloch?

Schwarzes Loch

 

Laser- oder Ionenstrahl?

Laser

 

Süßes oder Saures?

Süß

 

Irdisch oder Intergalaktisch?

Irdisch

 

Die Rache des Verlegers oder Saszquas?

Verl… Ich muss weg!

 

Lieber Thomas, ich danke Dir aufrichtig dafür, dass ich Dich ein wenig quälen – *hust* – ausfragen durfte!

Vielen Dank, Teja! War mir ein diebisches Vergnügen. 🙂


 

Feuersturm Cover

Hach, ein Interview mit jemandem, der meine Liebe zu Terry und der Zahl 42 teilt. Es war mir ein Fest.
Und nun, lest das Buch! Ihr traut Euch nicht? Kein Problem. Der Verlag hat vier Anthologien, da könnt Ihr die Geschichte um Bad Axe gern erst einmal testen. 😉
Feuersturm 1 – Anthologie FUNTASTIK
Feuersturm 2 – Anthologie Yo-Ho Piraten
Feuersturm 3 – Anthologie Schnittergarn
Feuersturm 4 – Anthologie Vikings of the Galaxy


 

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