»Und du, kleines Schlüsselherzkind,
kennst du schon die Geschichte der Kartenstadt?«
Eugenie schüttelte den Kopf und der Joker verneigte sich vor ihr.
»Dann sollt ihr sie hören. Manchmal ist es gut, die Geschichte eines Ortes zu hören,
wenn man noch bei ihm ist.

So ist die Vergangenheit näher und mit ihr die Geister,
die in ihr leben.«

Aus „Das Zylinderkabinett oder Das Mädchen, das nicht dorthin gehörte“ von Fabienne Siegmund

Das Buch „Das Zylinderkabinett oder Das Mädchen, das nicht dorthin gehörte“ von Fabienne Siegmund ist erstmals im Art Skript Phantastik Verlag im März 2019 erschienen. Es handelt sich um einen Einzelband mit 108 Seiten. Es ist als eBook, Hörbuch und Print erhältlich.

Eine zauberhafte Geschichte, die das Herz berührt und zum Nachdenken bringt.

Alles, was mit Magie in Berührung kommt – egal, ob für einen Sekundenbruchteilwahrer Magie oder für jene Momente, die der Illusion auf den Bühnen der Welt gehören – wird irgendwann selbst magisch.
So geht es auch Puschkin, dem weißen Kaninchen eines Zauberers in Montparnasse, das abseits der Vorstellung sein Leben im Zylinderkabinett verbringt – jenem Ort, an dem Tücher wie Schmetterlinge fliegen und Tauben zu Plastikrosen werden. Dort, wo die Schuhmaus alle Geschichten kennt und der Regenbär die Seerosen gießt, wo die Pikdame die Geheimnisse hütet und die Puschelwuschelohrenkatze ihr Unwesen treibt: Genau dort taucht eines Tages direkt vor Puschkins Hasennase ein winziges Mädchen auf, das einen Schlüssel im Rücken hat und sich nur bewegt, wenn man ihn dreht.
Schnell wird klar, dass Eugenie, wie dieses Mädchen heißt, nicht in das Zylinderkabinett gehört, und so macht sich Puschkin mit ihr auf den Weg zum von allen gefürchteten Schmuckfrosch – der einzigen Hoffnung, die Eugenie noch zu haben scheint …

Magie in ihrer Vergessenheit und Ruhe. Wunderschön, traurig, gefährlich und friedvoll. Zwischen den Buchdeckeln verbirgt sich so viel mehr, als man auf den ersten Blick erwartet. Ich habe von Fabienne Siegmund schon „Alissa im Drunterland“ lesen dürfen und konnte schon ahnen, was hier auf mich zukommt. Allerdings hat sie mich überrascht. Es war mehr Zauber, mehr Tiefe in und zwischen den Zeilen. Die bittere Wahrheit lugte hervor, gab sich mit dem Verstehen und der Hoffnung die Hand.
Das weiße Zauberkaninchen, Puschkin, ist mir so ans Herz gewachsen. Es versteht scheinbar vieles nicht und dann doch wieder. Mit dem Herzen, dem Gefühl.
Dieses Büchlein ist ein Kleinod – wertvoll, ergreifend und nachhallend.
Es liest sich geschwungen, ist sprachlich melodiös und harmonisch. Die Autorin baut so eine wundervolle Atmosphäre auf, lässt beim Lesen eintauchen und miterleben – dennoch steht man als Beobachter dabei, stört so den ureigenen Zauber der Geschichte nicht.

Fabienne Siegmund hat mich nun schon zum zweiten Mal mit ihrer Geschichte in ihren Bann gezogen. Ich muss von dieser Autorin in jedem Fall mehr lesen! Sie versteht es zu berühren und mit einem Nachhall die Gedanken lange Zeit beschäftigt zu halten.

Höchstwertung!
©Teja Ciolczyk, 24.08.2020


 

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