Was macht man, wenn man weiß,
dass man nur mehr eine Nacht zu leben hat?
Heulen? Koksen? Tanzen? Schreien?
Beten vielleicht, aber das wäre in meinem Fall ein Selbstgespräch,
weil Gott zu sauer auf mich ist,
um zuzuhören – wegen der Sache mit der Kiste.

Aus “Absolution: Wie man eine Sünde überlebt” von Jasmin Romana Welsch

 

Das Buch „Absolution: Wie man eine Sünde überlebt“ von Jasmin Romana Welsch ist im März 2016 im Sternensand Verlag erschienen und als Print und eBook erhältlich. Es handelt sich um einen Einzelband.

 

Schwarzer Humor, oder vielmehr Galgenhumor, die Suche nach einem Ausweg für die Seele – und das alles mit überraschender Tiefe und vielschichtigen Charakteren.

 

Mein Name ist Sixten. Ich denke, ich war ein durchschnittlicher Absteiger: unterbezahlt, launisch und auf das Leben und die ach so verkommene Welt schlecht zu sprechen. Da war mein kleines Drogenproblem, diese nervenaufreibenden Sitzungen bei Doktor Mattson und mein Kumpel Nils, der seit der Grundschule nicht gelernt hat, länger als zehn Stunden sauer auf mich zu sein. Summa summarum war mein Leben Mist, aber unkompliziert genug, um den Pessimismus in die tägliche Routine einfließen zu lassen. Ich hätte genau so weitergemacht, wäre nicht alles plötzlich unwirklich geworden. Auf einmal soll ich ein Todsünder sein und der Sklave eines Dämons werden, das behauptet zumindest die sprechende Katze, die will, dass ich sie Meisterin nenne. Vielleicht habe ich auch einfach Wahnvorstellungen von der Kokserei bekommen. So oder so, mein Leben braucht eine Kehrtwende. Dann muss ich mich eben damit abfinden, dass es Himmel und Hölle gibt, auch wenn ich bisher Atheist war. Ich war ja auch ein gefühlskaltes Arschloch und finde mich jetzt damit ab, dass ich die Dämonen-Katze, die meine Seele verschachern will, irgendwie mag. Einer von uns wird trotzdem verlieren. Am Ende bin ich vielleicht tot, verrückt oder clean, aber das müsst ihr schon selbst herausfinden.

 

An den Beginn meiner Rezensionen kommt ja immer ein Zitat, das ich aus dem betreffenden Buch heraussuche. Ihr glaubt gar nicht, wie schwer mir das hier gefallen ist. Nicht etwa, weil gute Passagen hier Mangelware wären – nee. Vielmehr, weil es so viele Stellen gibt, die ich Euch gerne zeigen möchte.

Absolution hat mich überrascht. Ich hatte ja etwas Skurril-Lustiges erhofft. Aber das Buch hat meine Erwartungen bei Weitem übertroffen.

Jasmin Romana Welsch hat hier derben Galgenhumor mit einem klaren Charakter gepaart. Man weiß bei Sixten schlicht, woran man ist. Und obwohl man ihn für seinen Lebenswandel wohl verdammen könnte, ihn wegen seiner Taten bestenfalls als Loser abstempeln möchte, schafft man es nicht. Die Autorin hat nämlich dafür gesorgt, dass man ihn nicht nur versteht, sondern ihn auch noch mag. Zumindest geht es mir so. Ich kann den Kerl und seine abgefahrenen Gefährten einfach alle gut leiden. ^^ Manchmal erinnert mich die Atmosphäre hier an die Serie „Good Omens“. So schrecklich die Situation an sich auch ist, man muss immer wieder schallend lachen.

Das macht den Stil der Autorin so besonders. Sie schafft einfach diese Stimmung, in der Leid, der nahende Tod und Mist bauende Engel Hand in Hand gehen – und macht das alles greifbar. Ich habe mich in dieser Geschichte wohlgefühlt, genau mein Geschmack 😉

Dennoch gibt es auch diese ernsten Szenen, in denen man nachzudenken beginnt. Ich liebe einfach diese Mischung!

 

Galgenhumor meets Drogenprobleme und Kampf ums Überleben. Geniale Mischung! Jasmin Romana Welsch hat mit dieser Geschichte eine tolle Stimmung eingefangen, in der man ebenso lachen, wie nachdenken kann.

 

©Teja Ciolczyk, 25.11.2019


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